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Herzogenauracher Frauen mit Hut erinnerten an 1919

 

"Hatwalk": Pionierinnen des Wahlrechts gewürdigt — Frauenanteil aktuell nur Drittel im Bundestag - 19.01.2019 

 

HERZOGENAURACH - Sie trugen gerne Hüte – die Frauen, die für das Frauenwahlrecht kämpften. Auch die Herzogenauracherinnen, die sich am Marktplatz einfanden, trugen Hüte. Sie waren dem Aufruf des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) gefolgt, um vor den Pionierinnen der Frauenbewegung im wahrsten Sinne des Wortes den Hut zu ziehen.

 

Martina Keller und ihre Teamkolleginnen Gerlinde Aumeier und Gitti Dassler vom KDFB, die die Aktion organisiert hatten, waren begeistert von der großen Resonanz. "Wir sind stolz auf das Frauenwahlrecht", bekannte eine Teilnehmerin, "und wir wollen als Frauen etwas für Frauen bewegen".

Das Alter der Teilnehmerinnen war so breit gefächert wie die Hutkollektion. Einige hatten den alten Sommerhut aktiviert, andere hatten sich ein neues Exemplar zugelegt oder kurzerhand den Hut des Ehemanns ausgeliehen.

Keller hatte sich für die Pelzmütze ihrer Oma entschieden, denn es seien die Frauen dieser Generation gewesen, die das Frauenwahlrecht erkämpften. Die Anfänge reichen weit zurück. Schon 1849 sprach sich Louise Otto in ihrer "Frauen-Zeitung" für das weibliche Stimmrecht aus.

 

In den Jahren ab 1890 nahm die Diskussion Fahrt auf. Die Frauenrechtlerin Helene Lange, Minna Cauer von der bürgerlichen Frauenbewegung und die Sozialistin Clara Zetkin widmeten sich diesem Thema. 1891 hatte die SPD als einzige Partei das Frauenstimmrecht in ihr Wahlprogramm aufgenommen. 1902 gründete Anita Augspurg den ersten Frauen-Stimmrechtsverband in Deutschland. Der Erste Weltkrieg ließ die Forderungen der Frauen zunächst in den Hintergrund treten.

 

Aber am 30. November 1918 verankerte der Rat der Volksbeauftragten das aktive und passive Wahlrecht für Frauen und Männer. Am 19. Januar 1919 war die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung, erstmals mit Beteiligung von Wählerinnen. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab, und 300 Frauen kandidierten für ein Abgeordnetenamt.

37 Frauen von 423 Abgeordneten schafften es in die Nationalversammlung. Am 19. Februar 1919 hielt die Sozialdemokratin Marie Juchacz als erste Frau eine Rede im Reichstag und stellte fest: "Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit. Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

 

Die Selbstverständlichkeit des Frauenwahlrechts wird heute nicht mehr angezweifelt, aber die weiblichen Abgeordneten in den Parlamenten sind immer noch in der Minderheit. Im aktuellen Bundestag sind nur 30,7 Prozent der Volksvertreter weiblich.

Deshalb stand die Aktion nicht nur unter dem Motto: "Wir ziehen den Hut", sondern auch "Frauen wählen". Kurzerhand wurde von den Frauen der einzige Mann – die Brunnenfigur St. Georg – ins Anliegen mit einbezogen. Er durfte aufs Foto, natürlich mit Hut, und wurde auf die digitale Fotowand — www.wir.ziehen-den-hut.de – hochgeladen. 

 

MARGOT JANSEN, Nordbayerische Nachrichten

Freitag, 11.Januar 2019

 

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